Montag, 24. Januar 2011

Wenn die Gemeinschaft an die Wand gefahren wird

Es gibt Szenen. Es gibt Gruppierungen. Es gibt geografische Zusammenschlüsse bestimmter Interessensgruppen. Zum Beispiel gab es einmal so etwas wie eine lokale HipHop Szene. Es gab natürlich schon früh Zusammenschlüsse, aber der, den ich meine, begann sich um 1999 zu formieren. Zuerst waren da Leute aus Chur und Ems. Zwei sassen in Luzern. Dann tauchten ein paar Oberländer auf, die ordentlich Gas gaben. Eine Gruppe junger Talente war in einem Kuhstall im Kornquader zu Hause. Ein sympathischer Kerl aus Igis war auch dabei. Es gab einen Quotenjugo, der auf Wu-Tang hängengeblieben war. Man erzählte sich von einigen Prättigauern und in Landquart gab es sogar eine Art Lokal. Man veröffentlichte Platten, hatte Jamsessions, es gab Konzerte, der Austausch war gigantisch. Erste Leute unterschrieben Plattenverträge. Wiederum andere landeten im Knast. Es entstanden erste Gerüchte, die meistens die Aktiveren betrafen. Einge feierten Erfolge, wurden dafür gefeiert. Wieder andere verschreiben sich der Kultur und weigerten sich, auch nur den Anschein von Revolution zu erwecken. Aus allen Ecken des Kantons hörte man von Neulingen: Engadin, Davos, Landquart, Thusis, Bonaduz, Felsberg... es wurden immer mehr. Die erfolgreicheren, meist älteren Protagonisten begannen die Jüngeren bewusst nachzuziehen. Sie nahmen sie mit an Konzerte, ins Studio, zeigten ihnen die Welt. Motiviert folgten die Jungen und es gedieh alles natürlich vor sich hin. Dann geschah etwas, was aller veränderte: MP3 und Downloads. Während nämlich die einen goldene Schallplatten nach Hause trugen und auf Tournee gingen, sassen die jüngeren Semester noch an den Tracks für ihr Debut oder waren noch nicht einmal mit dem ersten Song fertig. Neid hielt Einzug. Jahre vergingen und während die erfolgreicheren beständig blieben und ihren Status zementierten, hatten die jüngeren Semester ihre Debuts am Start. Und floppten. Der Markt war bereits im Keller, das Internet hatte alles verwaschen und selbst die allerbesten und talentiertesten mussten merken, das kein Hahn mehr nach ihnen krähte, egal wie gut sie waren. Der Traum von der erfolgreichen Rap Karriere drohte zu platzen. Und gleichzeitig mussten sie zuschauen wie ihre Helden von früher im TV liefen, weiter die Charts enterten und sich langsam aber sicher von ihnen entfernten. Aus Neid wurde Ärger. Aus Ärger wurden Verzweiflungstaten: Man begann mehr oder weniger direkt, schlecht zu reden über ehemalige Lehrer. Man vergass, wer einen ins Studio geholt hatte... man wollte es allen beweisen! So war die zweitjjüngste Generation überzeugt, die Formeln für den Erfolg durchschaut zu haben: Pop und Rap, Gesang und Inhalt.. Und die allerjüngsten waren sich sicher, dass Internet und Disstracks die Lösung sein würden. Nur leider scheiterten sie an den eigenen Ansprüchen: die einen schrieben poppig aber anbiedernd und blutleer. Die anderen konnten nur die zum Feind machen, die sie aus der Entfernung kannten und deren Erfolg sie für angreifbar hielten.
Und so haben die jüngeren und jüngsten einer Szene, die einst ein brilliantes Zusammenspiel spannender Charaktere war, eine Szene kaputtgetrampelt, die sie selber nie als solche wahrnahmen. Noch nicht reif für die Bühne, keine Lebenserfahrung für gute Texte, verblendet von Images und Götzenbildern schossen sie sich überbeifrig auf virtuelle Feindbilder ein, bis sogar der letzte Idiot die Szene als ganzes aufgab. Zwar sind die Alten noch immer unter sich befreundet, die zweite Generation nach wie vor aktiv und wild... aber alles was danach kommt ist ein zerstrittener Haufen kindischer Traumtänzer. Von sich selbst eingenommen, unkritisch, gescheitert an ihren eigenen Marketing und Promo Tools. Mickrige Downloads, die Alben wie Blei im Regal. Alles am Arsch. Und so stehen sie jetzt da, verlassen und wissen sich nicht anders zu helfen als sich mit den anderen gescheiterten Trotteln zusammenzuraufen, um gemeinsam die letzten Meter ihrer jetzt schon beendetetn Karriere zu gehen und soviele mit nach unten zu reissen, wie nur möglich.
Sie tun mir alle leid. So wie sich selbst leid tun. Wären gerne Rapper. Sind leider aber nur Battler, Freestyler, Onlinevideos, Disstracks, Gerüchtepostings, falsche Internetprofile und Myspace Accounts ohne Clicks. Es ist vorbei. Es sind nicht die alten, die das Mic an den Nagel hängen sollten. Es sind die Jungen. Denn sie haben kein Mic. Sie haben nur das Internet, das Studio, Youtube und Facebook. Aber gute Lieder oder Anerkennung, das haben sie nicht. Und zwar einzig und allein wegen ihrer eigenen aufgeblasenen Art. Und deshalb tut es mir auch für keinen von ihnen Leid, wenn er sich traurigst in die Scheisse reitet. Euer Bier. Ich für meinen Teil brauche niemanden mehr zu fördern. Diejenigen, die es zu schätzen wussten, werden auch in 10 Jahren noch irgendwie dabei sein. Ob sie nun bei einer Plattenfirma arbeiten, Familien gründen oder Grafiker sind. Alle noch da. Und um den Rest ist es nicht schade, soviel steht fest.

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sei gescheid...

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